Taizé-Fahrt

Abenteuer der Begegnung (17. bis 25. Juli 2010)

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Taizé - Abenteuer der Begegnung
 

Teilnehmerrekord! Fast 70 Schülerinnen und Schüler, die meisten vom E.T.A. Hoffmann-Gymnasium, eine kleinere Gruppe vom Clavius Gymnasium, einzelne Gäste aus anderen Schulen. Grüne Schals sowie Namensschildchen in Form von Taizé-Kreuzen als verzweifelter Versuch am Anfang, die eigenen „Schäfchen” in der Fremde wieder zu erkennen, die Gesichter auseinander zu halten. Vier begleitende Lehrkräfte, ein hoch motivierter Busfahrer mit Insiderwissen, ein Bus mit Überlänge, aber ohne Toilette. Unzählige Gepäckstücke - Koffer, Taschen, Rucksäcke, Musikinstrumente, Schlafsäcke, Isomatten, Zelte. Ein grünes Schildchen mit den Kürzeln der Schulen und dem Namen der Bewohner am Zelteingang - wie sonst sollte man mitten in der Nacht feststellen, ob alle da sind?

Manche Zelte zu groß, um stabil zu sein, zu klein, um all das Gepäck zu fassen, zu wenig gespannt, um der heftigen Regennacht in der Mitte der Woche zu trotzen. Improvisationsgeschick ist angesagt. Was bewegt dazu, sich Anfang Juli als Schüler und Lehrer auf das „Abenteuer Taizé” einzulassen, einem kleinen Dorf in der Nähe Clunys?
Die freien Tage? Die französische Küche? Die Sehenswürdigkeiten Burgunds?
Gewiss, Schulunterricht gab es nicht in dieser Zeit, aber der Tagesablauf war klar strukturiert: Morgengebet - Frühstück - Bibeleinführung - Gruppentreffen - Mittagsgebet - Mittagessen - Gruppentreffen oder Arbeit -Tee - Abendessen - Abendgebet. Zusätzliche Angebote und Termine wie Chorsingen, Workshops oder Regionaltreffen, Gespräche mit den Brüdern von Taizé sowie das tägliche Treffen als Bamberger Gruppe, um sich nicht in der Masse zu verlieren. Dazu die nicht planbaren Begegnungen mit Jugendlichen und jung gebliebenen Menschen aus aller Welt - in den Essenschlangen, beim Aufladen der Handys vor den Waschräumen, beim Fußballspielen am Nachmittag oder bei Musik und Tanz am Abend vor dem „Oyak”, dem Treffpunkt zum Feiern. Trotz des festen Tagesablaufs so viel Freiheit, Zeit für sich selbst und für andere - zum Lesen, Nachdenken, Briefe schreiben, Reden, Musizieren, Tanzen, Flirten ...

Die französische Küche nach Art von Taizé - Wasserkakao mit Baguette und einem Stückchen Schokolade am Morgen, Eintopfgerichte aller Art, Obst, Gemüse, Nudeln, Jogurt, Käse und Plätzchen am Mittag und Abend, Plätzchen und derunverwechselbare Zitronentee am Nachmittag, mit Keksen, Honigkuchen oder kleinen Gebäckstückchen. Manch einer schafft hier auch eine zweite oder dritte Runde. Nicht exquisit, aber vielfältig. Keine Hauptmahlzeit ohne Obst, ein Milchprodukt und etwas Süßes! Kein Überfluss, aber genug für alle. Geteilte Einfachheit, ein Zeichen der Gemeinschaft und Solidarität. Für „Notfälle” gibt es immer noch das „Oyak”, Kiosk, Imbiss und Kontaktbörse. Dazu so manche heimischen Vorräte aus dem Koffer ...
Die Eindrücke auf dem Gelände rund um Taizé - Zelte in allen Farben und Formen, einfache Gemeinschaftsunterkünfte, Waschräume, Toiletten - ein internationaler Jugendzeltplatz mit wenig Sternen und Komfort, aber viel Atmosphäre. Sanfte Hügel am Horizont, Weiden mit gutmütigen Kühen oder Pferden, verschlafene Häuser, umrankt von Efeu und bunten Blumen, malerische Steinmauern, auf denen sich wieselflinke kleine Eidechsen sonnen. Kühle, leicht neblige Morgenstunden, glimmende Hitze am Mittag und Nachmittag, stimmungsvolle Abendröte, faszinierender Sternenhimmel. Im Zentrum der Anlage die Versöhnungskirche, mehrfach durch einfache Anbauten erweitert, Platz für viele Tausend Menschen auf der Suche nach Orientierung, nach einem Sinn im Leben, nach Gott. Mehrstimmige Gesänge und intensive Stille, Gebete und Bibeltexte in allen Sprachen wechseln sich ab. Niemand wird zum Mitmachen gezwungen. Man sitzt in bequemer Haltung am Boden oder auf den Stufen, beteiligt sich aktiv oder lässt sich von den anderen mittragen. In warmen Orange- und Brauntönen der sonnendurchflutete Altarraum, unzählige Kerzen, überraschende Lichtreflexe durch die bunten Glasfenster, einfache Ikonen, kleine Blumengrüße davor. Man muss nicht fromm sein, um sich hier wohl zu fühlen, zur Ruhe zu finden, Gemeinschaft zu erleben ...
Inmitten der Massen die mehr als 100 Brüder aus 28 Nationen, verschiedenen Konfessionen und unterschiedlichen Alters, die ihr Lebensengagement für ein ökumenisches christliches Miteinander in Taizé abgelegt haben oder sich noch darauf vorbereiten. Außerhalb der Gebete, je nach Charakter und Zuständigkeit,  in bescheidener Zurückgezogenheit bei der Arbeit oder im lebendigen Kontakt mit den Jugendlichen, in der Kirche als ruhender Pol in der Mitte des Kirchenschiffes, singend, betend, ein Zeichen der Gemeinschaft lebend. Sind sie es, die dieses Stückchen Erde so anders machen mit ihrer Gastfreundschaft, ihrer Hingabe, ihrem Glaubenszeugnis?
Oder sind es die Jugendlichen selbst, dazu auch etliche Erwachsene und Familien mit kleinen Kindern, die diesem Ort ihren Stempel aufdrücken mit ihrer Vielfalt, Unbeschwertheit, Weltoffenheit und überschäumenden Lebensfreude - Woche für Woche neu? Wo sonst gibt es einen vergleichbaren Freiraum der Begegnung verschiedener Nationalitäten, Kulturen, Konfessionen, ein Experimentierfeld der Verständigung über alle Grenzen hinweg, der zugleich als Oase der Ruhe und persönlichen Besinnung, für viele gar als ein Stück Heimat erfahren wird?
Vielleicht ist es aber auch die spirituelle Grundbotschaft, die bei diesen Treffen spürbar wird -  die Freude, die Einfachheit, das Vertrauen, die Vergebung, der Friede, die Liebe Gottes.
All diese Erfahrungen und Eindrücke ziehen Menschen nach Taizé, manche immer wieder, manche für immer. Das Angebot einer jahrgangsübergreifenden Schulfahrt, in Taizé bei den Treffen der Gruppenleiter als „Bamberger Modell” bestaunt, kann den Schritt zu einer ersten Begegnung erleichtern, Wege für die Zukunft eröffnen. Sich miteinander aufmachen, Jungen und Mädchen, Teenager und junge Erwachsene, Schüler und Lehrer, egal ob Taizé-Neulinge oder Taizé-Begeisterte, Kirchenfromme oder Skeptiker - das gibt Mut, Hoffnung und Kraft, stärkt den Einzelnen und die Schulgemeinschaft, auch für den Alltag danach.
Wer spüren will, wie es zu Hause weiter gehen kann, sei herzlich eingeladen zum Engagement in den Ortsgemeinden, in Jugendverbänden oder auch am E.T.A., jeden Freitagmorgen zum Taizé-Gebet um 7.40 Uhr in der Schulkapelle, das von Schülern vorbereitet und musikalisch gestaltet wird.
Für alle Taizé-Fahrer: Angela Kestler





Fotos: G. Mahr und J. Brunner - Anklicken vergrößert!

26. 07. 2010/Th