„Unser Handeln – Unsere Zukunft“

8. Internationaler Unesco-Projekttag (Kunst-Additum Q11, 26. April 2010)

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„Keine Zukunft vermag gut zu machen,
was du in der Gegenwart versäumst.“
Albert Schweitzer

Wie werden die Menschen leben, die in 25, 50 oder 100 Jahren geboren werden?

Werden sie eine Chance auf ein erfülltes Leben haben? Können Menschen bei uns und in anderen Ländern in Würde leben? Wie müssen wir unsere Welt gestalten, damit zukünftige Generationen durch uns nicht eingeschränkt werden? Wie müssen wir wirtschaften, damit die Welt gerechter wird? Unesco-Projektschulen verstehen sich als Orte demokratischen Lernens, innovativer Schulentwicklung und zukunftsfähigen Denkens und Handelns.

Das Kunst-Additum Q11 nahm sich zusammen mit seinem Lehrer H. Kraus dieses Themenkomplexes an und entwickelte aus einer Fülle an unterschiedlichsten Ideen 9 Einzel- bzw. Partnerprojektarbeiten. Diese Arbeiten, die von Malerei bis Rauminstalltion reichen, sollten in die Öffentlichkeit getragen werden und auf ihre Aufstellungsorte Bezug nehmen, was für die 11.-Klässler eine große logistische Herausforderung darstellte. Die Arbeiten sind an dem Projekttag, 25.4.10, und ca. 2 Wochen danach noch an ihren Plätzen zu finden.
Auch die Kunstreferendarin Ritli nahm mit ihrer 7b an dem Unescoprojekt teil. Die Klasse zeichnete ihre Zukunftsvisionen als Daumenkino, das digital als Trickfilm animiert und in den Pausen gezeigt wurde. Dabei entstanden sowohl lustige Viecher als auch futuristische Architekturen.


Hier ein Überblick mit Textauszügen der Projektbeschreibungen:

1. St. Getreu / Dietz, Arnold

Wir haben uns für das Thema Zivilcourage entschieden, da es unserer Meinung nach von Belangen und aktueller denn je ist. In der heutigen Zeit treten unterlassene Hilfeleistungen immer häufiger auf, da die Menschen lediglich auf sich Acht geben und nur ihren Interessen und Wohlempfinden nachgehen.
So zum Beispiel ein Fall in München, bei dem vier Jugendliche einen Mann zusammengeschlagen haben ohne, dass jemand diese Tat verhindert hat. Auch Statistiken zeigen, dass immer mehr Fälle auftreten, bei denen Menschen grundlos gewaltvoll behandelt werden, was uns zu dem Entschluss geführt hat dieses wichtige Thema aufzugreifen.
Unser Projekt wird im Klinikum St. Getreu am Michelsberg ausgestellt, mit dem Hintergedanken an mögliche seelische Folgen eines gewaltvollen Übergriffs.

2. Müllheizkraftwerk / Degelmann

... Mein Ziel ist es, mit meiner Plastik den Betrachter darauf aufmerksam zu machen, dass unser Müll immer größere Ausmaße annimmt und dass es dringend notwendig ist sich umweltbewusster zu verhalten, d.h. weniger Müll zu produzieren.
Deshalb stehen die Figuren auf einem großen Berg von Alltagsmüll, vorwiegend Verpackungen. Gerade im Bereich der Verpackungen könnte wesentlich mehr an Ressourcen eingespart werden, genauso wäre es auch dringend notwendig die weitere Umweltverschmutzung, wie z.B. durch Abgase oder unnötigen Energieverbrauch einzudämmen, was ich mit meiner Plastik mit Müll andeute aber nicht sichtbar machen kann. ...

3. Kreuzgang Karmelitenkirche / Deißler, Klößel

... Es stellte sich uns die Frage, ob die Religion in fünfzig beziehungsweise hundert Jahren noch eine entscheidende Rolle in unserer Gesellschaft spielen wird und was geschehen würde wenn diese wichtige Instanz, die schon seit Jahrtausenden die Menschheit prägt, eines Tages verblasst. Gehen die moralischen Werte der Menschen verloren? Woran werden sie glauben? Und würde ihr Leben und ihr Alltag nicht von einer gewissen Leere geprägt werden?
Wir hatten die Idee ein „Kirchenfenster“ bestehend aus bunten Folien im Kreuzgang der Karmeliten Kirche in Bamberg zu installieren. ... Im unteren Bereich ließen wir absichtlich eine kleines Loch entstehen, das für das Loch in der Gesellschaft steht, falls die Kirche eines Tages nicht mehr existieren würde. Auch die Größe der Folienstücke, die von oben nach unten abnimmt, ist beabsichtigt. Aus dem Fenster heraus schaut der verzweifelte Jesus, der das Schicksal der Kirche nicht wahrhaben will und kann. ...

4. Bibliothek der Universität / Einwich-Kröner, Schmidtner

... Unsere Installation besteht aus zwei Figuren aus Alufolie, welche Abformungen unserer Körper sind. Die beiden Alupuppen werden in zwei Glasvitrinen aufgestellt. Zwischen den rechten Zeigefingern der Plastiken, die c.a. einen Meter voneinander entfernt stehen, spannt sich eine Aluschnur. An dieser Schnur ist ein „Touchpad“ (ein rechteckiges Stück Pappe ebenfalls mit Alufolie umwickelt) befestigt. Ein Teil dieses „Touchpad's“ ist beklebt mit Palmkätzchen. Die beiden Figuren stehen repräsentativ für einen großen Teil der jungen, modernen Gesellschaft der Zukunft.
Mit unserer Installation wollen wir die steigende Nutzung digitaler Speichermedien und die dadurch resultierende Verfremdung gegenüber der Natur kritisieren. Die Glaskästen um die Figuren zeigen die Isolation vor der Außenwelt, die durch zu langen Aufenthalt im Cyberspace verursacht wird. Diese Konzentration auf digitale Speichermedien führt zu körperlichem Kontaktverlust mit der Natur und dem Mitmenschen. ...

5. Altes E-Werk / Koch

Also ich habe mir ja das Thema unserer stetig alternden Gesellschaft ausgesucht, weil es ja doch für alle ein sehr wichtiges Thema ist, vor allem aber für die künftigen Generationen. ...
Ich wollte diese Bilderreihe in der Uni-Bamberg ausstellen, da sich dort ausschließlich junge Erwachsene aufhalten, die langsam beginnen müssen über ihr Leben und ihre Zukunft nachzudenken.
Zudem wollen Leute die studieren auch oft nur Kariere machen und eine Familie zu gründen ist nur zweitrangig.
Aber genau das wäre ja die Einstellung die genau zu diesem Ergebnis letztlich führen würde, zur Alterung der Gesellschaft. Mit meiner Bilderreihe möchte ich dann all die jungen Leute ansprechen und sie zum Nachdenken bringen, sodass sie vielleicht sogar etwas an ihrer Einstellung ändern... man weiß ja nie.

6. Franz-Ludwig-Seniorenwohnzentrum / Pfeiffer

... Nicht immer lösen Seniorenheime ein positives Gefühl bei älteren, betroffenen Leuten aus. Deshalb finde ich es wichtig, gerade bei unserer immer älter werdenden Gesellschaft, einen Einblick in diese Heime zu geben, und Vorurteile dagegen abzuschaffen.
Meine Arbeit stellt eine Lampe in Form einer Pusteblume dar. Eine Lampe als Zeichen für den "Einblick" und die Pusteblume für das "Unbeschwerte" stehend.
Die "Samen", am Ende mit Fotos bestückt, die leuchten, stellen die positiven Seiten einer Seniorenwohngemeinschaft dar. Positive Seiten wie z.B. Gemeinschaft, Unterstützung, Pflege, Unterhaltung, Kontakt, Vertrauen…
Die Fotos, die nicht leuchten, stehen für das, was passieren kann, wenn hilfsbedürftige alleine zuhause wohnen. Beispiele dafür sind Einsamkeit, Traurigkeit, Unfallgefahr, Unhygiene oder allgemeinen alltäglichen Problemen ausgesetzt zu sein, wie Treppen steigen…
Ich hoffe mit meiner Arbeit solche Wohngemeinschaften attraktiver zu machen, oder zumindest zum Nachdenken anzuregen. ...

7. Hotel Residenzschloss / Rabe

... Arbeit, Leistung und Zeit sind zentrale Faktoren, die das Leben jedes Menschen in der heutigen Gesellschaft bestimmen, wobei jedoch die Regeneration des Körpers von diesen nicht vernachlässigt werden darf.
Wer bringt mehr auf die Waage?
Zur selbstkritischen Stellungnahme und Einschätzung möchte ich mit meiner Arbeit aufrufen. ... Bitte halten Sie kurz inne und nehmen Sie sich die Zeit Bilder zu betrachten, Handschmeichler zu erfühlen, etwas Süßes zu schmecken, ätherische Öle zu riechen und Wasser plätschern zu hören!
Seelische Zufriedenheit kann vor allem durch den christlichen Glauben erreicht werden und schenkt die Gewissheit in allen Lebenslagen unterstützt zu werden.
Jeder Mensch trägt selbst die Verantwortung für die Gesundheit seines Körpers und muss den Balanceakt zwischen Arbeit und Ruhe bewältigen. ...


8. Naturkundemuseum / Stöve

... In meinem Projekt werden die großen Städte der Menschen, durch die wir die Natur vertrieben und zerstört haben sich dieses Gelände „zurückerobert“. Deshalb sieht man auf meinem Bild, welches 1,60m x 80cm groß und mit Acryl gemalt ist, in eine Straße, welche von Hochhäusern umrahmt ist. Alles ist von Pflanzen überwuchert und zerstört, auch ein Auto, das vor den Häusern steht. Die Stadt steht für den Technischen Fortschritt der Menschen.
Neben der Straße ist ein See über den eine Brücke führt zu sehen und ganz am linken Rand ist der untere Teil der Freiheitsstatue zu sehen, doch der Kopf von ihr liegt im See und ist schon fast vollständig untergegangen und auch der Rest der Statue ist beschädigt und von Pflanzen überwuchert. ...

9. Atrium / Vogel

... Meine Projektarbeit zum diesjährigen UNESCO- Projekttag widmet sich dem Thema „Mobilität und deren Veränderung“. Schon Heute spielen Entscheidungen im Bezug auf Verkehrswege, Verbindungen und vor allem Geschwindigkeiten eine große Rolle und liegen im persönlichen Interesse vieler Menschen. ... Dagegen zeigt sich in der Mitte des Bildes ein Ausschnitt „zukünftiger Fortbewegung“- ein in Sich stimmiges, keine Ecken und Kanten aufweisendes und völlig neuartiges System der Mobilität. Das glatte und homogene Muster auf ebenem Untergrund, der Leinwand, steht im Kontrast zu dem rauen, unebenen Bereich der heutigen Fortbewegung.





Fotos: M. Kraus - Anklicken vergrößert!

08. 05. 2010/Th