Brot und Filme

Römischer Abend des P-Seminars latein (9. Dezember 2011)

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„Panem et circenses“, Brot und Spiele, wetterte einst der römische Satiriker Juvenal, das sei alles, wofür sich das Volk noch interessiere. Tatsächlich sollte das einfache Volk durch die von den Kaisern veranstalteten Spiele von ihrer Armut und politischen Bedeutungslosigkeit abgelenkt werden.
Um Ablenkung vom Alltag, vor allem aber um gute Unterhaltung, ging es auch am Präsentationsabend des P-Seminars „Latein und Video“ mit dem Titel „Panem et Videos“ - Brot und Filme.
In der festlich geschmückten Turnhalle erwarteten die etwa 200 Gäste an festlich gedeckter Tafel diverse Gaumenfreuden aus der römischen Küche (streng nach originalen Rezepten des Apicius) und ein buntes Potpourrie an Kurzfilmen, die im Rahmen des Seminars entstanden waren. Nicht gerade berauscht, aber doch vom römischen Honigwein „Conditum Paradoxum“ in wohlwollend geneigte Stimmung versetzt, wusste das Publikum auch die gebotenen filmischen Leckerbissen sehr zu schätzen.
In geistreich ersonnenen und clever arrangierten Spots spielten meist Sklaven die Hauptrolle und bewarben sich selbst (als „Factotum“) sowie nützliche Produkte (das Deospray „Dea“ – Deam cuique!) oder gaben gute Tipps („Ne biberis lecticam portans!“ – „Don’t drink and drive!“ bzw. „Sauf nicht, wenn du eine Sänfte trägst!“). Der wohlbekannte Büßer Sisyphus wurde bemüht, um einen Energy-Drink vorzustellen („Optissimus“). Der historisch-mythologische Kontext und die Idee hinter den Filmen wurde dem Publikum von den Mitgliedern der einzelnen Gruppen anschaulich dargelegt.
Jede Gruppe hatte auch jeweils einen etwas aufwändiger arrangierten Kurzfilm produziert und es gelang durchweg, das Publikum durch diese wahlweise zu belehren, belustigen, beeindrucken oder betroffen zu machen.
In ihrem Flirtführer (nach der Ars amatoria des Dichters Ovid) gaben Veronika Dolling, Teresa Fischer und Stefanie Zech gerade den Männern hilfreichen Nachhilfeunterricht bei der Frage, wie man eine Geliebte geschickt bezirzt. Dem Flirtexperten Nicolas Grün nahm man durchaus ab, bei seiner Partnerin Nadia Polkanowa Eindruck geschunden zu haben.
Stefanie Böhnlein, Denise Fleischmann und Leopold Zoeke entführten das Publikum in die Unterwelt. In perfekter Atmosphäre und geschickt inszeniert konnte man Orpheus (Christian Braun) bei seinem Plädoyer vor Proserpina (Carmen Raschpichler), der Königin der Unterwelt, die Daumen drücken, um dann doch das tragische Ende miterleben zu müssen.
Künstlerisch höchst anspruchsvoll bereiteten Charlotte Pohlig, Jasmin Roth und Alexander Reuß die Geschichte von Narziss und Echo auf, die abwechselnd im Bamberg des Jahres 2011 und in der Antike spielte.
Etwas Besonderes für Kenner des lateinischen Originaltextes waren die Freigelassenengespräche aus dem Satyricon des Petron. Die Idee, diese vulgärlateinischen Unterhaltungen in verschiedene Dialekte zu übertragen (ohne sich dabei vom Originaltext allzu weit zu entfernen), entstand im Unterricht im Lateinkurs der Q11. Rasch war der Entschluss gefasst, dies filmerisch umzusetzen, so dass das Ergebnis gleichsam als „Zugabe“ präsentiert werden konnte. Ein großes Kompliment ist zu richten an die Kreativität aller Kursteilnehmer, die Leistung der zahlreichen Schauspieler  und besonders an Benedikt May, der als Kameramann, Regisseur und Schnitt-Experte die Leitung innehatte.
Lustig und unterhaltsam wurde es dann bei „Brennpunkt Rom“, einer Parodie auf neuzeitliche Nachrichtensendungen und ihre Protagonisten. Lena Berthold, Lisa Hittinger und Thomas Diroll brachten das Publikum ein ums andere Mal zum Schmunzeln, besonders mit ihrer Idee einer Rhetorikstunde mit Steinen im Mund der Schülerinnen und Schüler. Der AC/DC Song „Highway to Hell“ (lat.: Ad inferos) konnte auch ohne Video als a cappella-Version beeindrucken.
Episch und voller Pathos endete der Abend mit der Verfilmung einer weltgeschichtlich bedeutsamen Episode, dem Schwur des jungen Hannibal, dass er immer der Feind der Römer sein werde. Katharina Habersack, Julia Schwemmlein und Christian Braun gelang es, das Publikum emotional zu bewegen, durch die Kameraeinstellungen, die Musik, aber auch durch die Wahl der Schauspieler (David Hamann als junger Hannibal, Raphael Hauck als alter Hannibal, Benedikt Weis als Hamilcar).
Undenkbar wäre eine Abendveranstaltung am E.T.A. ohne Musik! Denn neben ihrer Kreativität und Fähigkeit, sich zu präsentieren, zeichnet unsere Schüler doch  auch besonders ihre musikalische Begabung aus, die in vielfältiger und eindrucksvoller Weise sicht-, hör- und fühlbar wurde. Ein großes Kompliment und besonderer Dank von meiner Seite an das Streichquartett (Eloisa Ruppert, Paul Gollnast, Maximilian Konrad und Lorenz Kauffer), Veronika Dolling (Flöte), Christian Braun und Alexander Reuß (Gesang und Klavier) und Lena Berthold (Harfe), die den Abend nicht nur bereichert, sondern erst komplett gemacht haben.
So konnten die zahlreichen Gäste einen interessanten, unterhaltsamen, anspruchsvollen, spannenden, musikalischen, kulinarischen, bacchantischen, bewegenden, lehrreichen und lustigen Abend erleben, der hoffentlich lange in Erinnerung bleiben wird.
Markus Scherl


          



P R O G R A M M



PANEM ET VIDEOS
~ Brot und Filme ~
Präsentationsabend des P-Seminars „Latein & Video“



Musik: Streichquartett
Eloisa Ruppert, Paul Gollnast, Maximilian Konrad, Lorenz Kauffer (Q 11)
   
Begrüßung

„Ars Amatoria – Flirtführer von Ovid“
Werbespot „Optissimus“
Veronika Dolling, Teresa Fischer, Stefanie Zech

Musik: Blockflöte
Veronika Dolling

„Orpheus und Eurydice“
Werbespot „Ne biberis lecticam portans!“
Stefanie Böhnlein, Denise Fleischmann, Leopold Zoeke

Musik: Gesang und Klavier
Christian Braun, Alexander Reuß

„Narziss und Echo“
Werbespot „Factotum“
Charlotte Pohling, Jasmin Roth, Alexander Reuß

Musik: Streichquartett

„Die Freigelassenengespräche“ (Petron)
Q 11 – Latein

Musik: Harfe
Lena Berthold

„Brennpunkt Rom“
Lena Berthold, Lisa Hittinger, Thomas Diroll

Musik: Gesang und Klavier

Werbespot „Deam cuique“
„Der Schwur des Hannibal“
Katharina Habersack, Julia Schwämmlein, Christian Braun


~ Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Abend! ~


Für Ihr leibliches Wohl sorgt das P-Seminar „Latein & Video“ mit Magister Scherl:
Conditum paradoxum (Wein), Fladenbrot, Datteln mit Schafskäse, Feigen,
Moretum (Käse-Knoblauch-Paste und Kräuterpaste),
Epityrum (Olivenpaste), Lucanicae (Frikadellen), Globi/ Globuli (Mohnbällchen),
In ovis apalis (Eier mit Pinienkernpaste), Melones et pepones (Melonendessert)



Fotos: St. Thienel - Anklicken vergrößert!

09. 12. 2011/Th