„Panem
et circenses“, Brot und Spiele, wetterte einst der römische Satiriker
Juvenal, das sei alles, wofür sich das Volk noch interessiere.
Tatsächlich sollte das einfache Volk durch die von den Kaisern
veranstalteten Spiele von ihrer Armut und politischen
Bedeutungslosigkeit abgelenkt werden.
Um Ablenkung vom Alltag, vor allem aber um gute Unterhaltung, ging es
auch am Präsentationsabend des P-Seminars „Latein und Video“ mit dem
Titel „Panem et Videos“ - Brot und Filme.
In der festlich geschmückten Turnhalle erwarteten die etwa 200 Gäste an
festlich gedeckter Tafel diverse Gaumenfreuden aus der römischen Küche
(streng nach originalen Rezepten des Apicius) und ein buntes Potpourrie
an Kurzfilmen, die im Rahmen des Seminars entstanden waren. Nicht
gerade berauscht, aber doch vom römischen Honigwein „Conditum
Paradoxum“ in wohlwollend geneigte Stimmung versetzt, wusste das
Publikum auch die gebotenen filmischen Leckerbissen sehr zu schätzen.
In geistreich ersonnenen und clever arrangierten Spots spielten meist
Sklaven die Hauptrolle und bewarben sich selbst (als „Factotum“) sowie
nützliche Produkte (das Deospray „Dea“ – Deam cuique!) oder gaben gute
Tipps („Ne biberis lecticam portans!“ – „Don’t drink and drive!“ bzw.
„Sauf nicht, wenn du eine Sänfte trägst!“). Der wohlbekannte Büßer
Sisyphus wurde bemüht, um einen Energy-Drink vorzustellen
(„Optissimus“). Der historisch-mythologische Kontext und die Idee
hinter den Filmen wurde dem Publikum von den Mitgliedern der einzelnen
Gruppen anschaulich dargelegt.
Jede Gruppe hatte auch jeweils einen etwas aufwändiger arrangierten
Kurzfilm produziert und es gelang durchweg, das Publikum durch diese
wahlweise zu belehren, belustigen, beeindrucken oder betroffen zu
machen.
In ihrem Flirtführer (nach der Ars amatoria des Dichters Ovid) gaben
Veronika Dolling, Teresa Fischer und Stefanie Zech gerade den Männern
hilfreichen Nachhilfeunterricht bei der Frage, wie man eine Geliebte
geschickt bezirzt. Dem Flirtexperten Nicolas Grün nahm man durchaus ab,
bei seiner Partnerin Nadia Polkanowa Eindruck geschunden zu haben.
Stefanie Böhnlein, Denise Fleischmann und Leopold Zoeke entführten das
Publikum in die Unterwelt. In perfekter Atmosphäre und geschickt
inszeniert konnte man Orpheus (Christian Braun) bei seinem Plädoyer vor
Proserpina (Carmen Raschpichler), der Königin der Unterwelt, die Daumen
drücken, um dann doch das tragische Ende miterleben zu müssen.
Künstlerisch höchst anspruchsvoll bereiteten Charlotte Pohlig, Jasmin
Roth und Alexander Reuß die Geschichte von Narziss und Echo auf, die
abwechselnd im Bamberg des Jahres 2011 und in der Antike spielte.
Etwas Besonderes für Kenner des lateinischen Originaltextes waren die
Freigelassenengespräche aus dem Satyricon des Petron. Die Idee, diese
vulgärlateinischen Unterhaltungen in verschiedene Dialekte zu
übertragen (ohne sich dabei vom Originaltext allzu weit zu entfernen),
entstand im Unterricht im Lateinkurs der Q11. Rasch war der Entschluss
gefasst, dies filmerisch umzusetzen, so dass das Ergebnis gleichsam als
„Zugabe“ präsentiert werden konnte. Ein großes Kompliment ist zu
richten an die Kreativität aller Kursteilnehmer, die Leistung der
zahlreichen Schauspieler und besonders an Benedikt May, der als
Kameramann, Regisseur und Schnitt-Experte die Leitung innehatte.
Lustig und unterhaltsam wurde es dann bei „Brennpunkt Rom“, einer
Parodie auf neuzeitliche Nachrichtensendungen und ihre Protagonisten.
Lena Berthold, Lisa Hittinger und Thomas Diroll brachten das Publikum
ein ums andere Mal zum Schmunzeln, besonders mit ihrer Idee einer
Rhetorikstunde mit Steinen im Mund der Schülerinnen und Schüler. Der
AC/DC Song „Highway to Hell“ (lat.: Ad inferos) konnte auch ohne Video
als a cappella-Version beeindrucken.
Episch und voller Pathos endete der Abend mit der Verfilmung einer
weltgeschichtlich bedeutsamen Episode, dem Schwur des jungen Hannibal,
dass er immer der Feind der Römer sein werde. Katharina Habersack,
Julia Schwemmlein und Christian Braun gelang es, das Publikum emotional
zu bewegen, durch die Kameraeinstellungen, die Musik, aber auch durch
die Wahl der Schauspieler (David Hamann als junger Hannibal, Raphael
Hauck als alter Hannibal, Benedikt Weis als Hamilcar).
Undenkbar wäre eine Abendveranstaltung am E.T.A. ohne Musik! Denn neben
ihrer Kreativität und Fähigkeit, sich zu präsentieren, zeichnet unsere
Schüler doch auch besonders ihre musikalische Begabung aus, die
in vielfältiger und eindrucksvoller Weise sicht-, hör- und fühlbar
wurde. Ein großes Kompliment und besonderer Dank von meiner Seite an
das Streichquartett (Eloisa Ruppert, Paul Gollnast, Maximilian Konrad
und Lorenz Kauffer), Veronika Dolling (Flöte), Christian Braun und
Alexander Reuß (Gesang und Klavier) und Lena Berthold (Harfe), die den
Abend nicht nur bereichert, sondern erst komplett gemacht haben.
So konnten die zahlreichen Gäste einen interessanten, unterhaltsamen,
anspruchsvollen, spannenden, musikalischen, kulinarischen,
bacchantischen, bewegenden, lehrreichen und lustigen Abend erleben, der
hoffentlich lange in Erinnerung bleiben wird.
Markus Scherl
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P R O G R A M M
PANEM ET VIDEOS
~ Brot und Filme ~
Präsentationsabend des P-Seminars „Latein & Video“
Musik: Streichquartett
Eloisa Ruppert, Paul Gollnast, Maximilian Konrad, Lorenz Kauffer (Q 11)
Begrüßung
„Ars Amatoria – Flirtführer von Ovid“
Werbespot „Optissimus“
Veronika Dolling, Teresa Fischer, Stefanie Zech
Musik: Blockflöte
Veronika Dolling
„Orpheus und Eurydice“
Werbespot „Ne biberis lecticam portans!“
Stefanie Böhnlein, Denise Fleischmann, Leopold Zoeke
Musik: Gesang und Klavier
Christian Braun, Alexander Reuß
„Narziss und Echo“
Werbespot „Factotum“
Charlotte Pohling, Jasmin Roth, Alexander Reuß
Musik: Streichquartett
„Die Freigelassenengespräche“ (Petron)
Q 11 – Latein
Musik: Harfe
Lena Berthold
„Brennpunkt Rom“
Lena Berthold, Lisa Hittinger, Thomas Diroll
Musik: Gesang und Klavier
Werbespot „Deam cuique“
„Der Schwur des Hannibal“
Katharina Habersack, Julia Schwämmlein, Christian Braun
~ Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Abend! ~
Für Ihr leibliches Wohl sorgt das P-Seminar „Latein & Video“ mit Magister Scherl:
Conditum paradoxum (Wein), Fladenbrot, Datteln mit Schafskäse, Feigen,
Moretum (Käse-Knoblauch-Paste und Kräuterpaste),
Epityrum (Olivenpaste), Lucanicae (Frikadellen), Globi/ Globuli (Mohnbällchen),
In ovis apalis (Eier mit Pinienkernpaste), Melones et pepones (Melonendessert)
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