Die Mittelstufenbühne zeigt:

Furcht und Elend des Dritten Reiches

von Bert Brecht
6. Juni, 17 Uhr, ETA-Hoffmann-Theater - 7. Juni, 19.30 Uhr, Untere Turnhalle

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Bert Brecht:
Furcht und Elend des Dritten Reiches

Charakter, das ist eine Zeitfrage.
Er hält soundso lange, genau wie ein Handschuh.
Es gibt gute, die halten lange.
Aber sie halten nicht ewig.
 (Bert Brecht)

Bert Brechts Stück gilt als eines der Hauptwerke der Exilliteratur. In den Jahren 1935 bis 38 entstanden – also noch vor Krieg und Holocaust –, zeigt es in einer kaleidoskopartigen Szenenfolge von Alltagsepisoden die Verhaltensweisen von Tätern, Mitläufern und Opfern in der Nazi Diktatur. So entsteht ein scharf gezeichnetes Bild der Untertanenmentalität der Deutschen, die Hitlers Herrschaft überhaupt erst möglich machte: eine Mischung aus Brutalität und Angst, Großmannssucht und Duckmäuserei, Egoismus und Feigheit. Es ist ein Blick hinter die Fassade des „Großdeutschen Reiches“, der den Schein der Macht, der Disziplin und Geschlossenheit unter dem Hakenkreuz entlarvt als ein auf Terror, Denunziation und Ausbeutung basierendes, zerbröckelndes Gebilde unter dem Damoklesschwert des kommenden Krieges. Der Schwerpunkt des Stückes liegt hierbei auf Szenen aus dem alltäglichen Leben der unterschiedlichen Schichten. Nicht ohne Grund wurde das Stück zunächst unter dem Titel „Aus dem Privatleben der Herrenrasse“ aufgeführt. Die Grobiane der SA, die nachts plötzlich Angst bekommen, die Kleinbürger, die den Nachbarn anschwärzen, und danach schlecht schlafen können, der Mann, dem seine Karriere wichtiger ist als seine Frau, die Eltern, die ihren Kindern genauso wenig trauen wie das Mädchen ihrem Freund, die Verblödung des Volkes durch die Medien oder die Anpassung an das, was gerade politisch korrekt ist, auch wenn man eigentlich anderer Meinung ist – das alles ist nicht die große Politik der Hitler, Goebbels und Konsorten, sondern Alltag. Ein Alltag der uns auch nach über einem halben Jahrhundert immer noch irgendwie bekannt vorkommt. Hierin liegt die Aktualität dieses Zeitstückes, denn es sind letztlich eben doch allgemein menschliche Eigenschaften, die uns Brecht vor Augen führt. Sie gedeihen nicht nur im rechtsfreien Raum des „Dritten Reiches“, obwohl sie freilich gerade im Umfeld von Willkür, Ausbeutung und Brutalität der Nazis besonders scharf konturiert hervortreten. Kein rein historisches Stück also, sondern ein Stück, das auch diejenigen noch fasziniert und bedrückt, die nach unzähligen Geschichtsstunden, Gedenkveranstaltungen, Filmen und Guido-Knopp-Dokumentationen des Themas eigentlich schon überdrüssig wären - wenn es denn für den deutschen Bürger politisch korrekt wäre, das auch zuzugeben.
Sg
Plakat: Clara und Martin Batz
16. 05. 2008/Th